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Mit ihrer unkonventionellen Elektronik prägten sie die frühen und mittleren 80er Jahre, ihr Einfluss reichte von der britischen Insel bis nach Nordamerika, wo sie Bands wie Skinny Puppy oder Nine Inch Nails auf die richtige musikalische Spur brachten: Portion Control gehören zu den wichtigsten Wegbereitern für EBM und Industrial. Nach der temporären Auflösung 1987 fanden John Whybrew und Dean Piavanni 2002 wieder zusammen, spielen seither regelmäßig live und veröffentlichten mehrere neue Produktionen, mit denen sie abermals in weitgehend unerforschtes elektronisches Terrain vorstießen. Richtig fassen ließ sich das Duo nie, VOLT konnte es dennoch für ein Interview gewinnen, kurz nach seinem beeindruckenden Auftritt bei der Nocturnal Culture Night 2019.


Ihr habt gerade euren Gig gespielt und es war sehr voll. Wir war es für euch?
Dean Piavanni: Es war sehr gut. Wenn man draußen spielt, kommt aber alles immer etwas langsamer in die Gänge.

Vielleicht auch weil es geregnet hat.
D: Ja. Aber es war ein super Publikum, ich hatte echt Spaß!

Habt ihr gesehen, dass Eskil von Covenant in der ersten Reihe mitgefeiert hat?
D: Ich habe nicht realisiert, dass er es war, da ich ihn lange nicht gesehen habe. Aber ich habe gerade mit ihm gesprochen.
John Whybrew: Er hat uns vor langer Zeit auch mal in London besucht.
D: Ja. Das war so 1985. Da ist er vorbeigekommen.
J: Ein kleines Jüngelchen, stand einfach so bei uns auf der Matte.

portion control live alexander jung 1
Und warum hat er euch besucht?
J: Wir hatten ein Studio, zu Hause in Kennington in Süd-London. Dort waren unsere Spielzeuge und wir haben dort gewohnt. Manchmal kamen Leute, vor allem die, die gerade frisch als Künstler aktiv waren, vorbei. Und eines Tages stand da dieser junge Typ.
D: Das war noch vor dem Internet. Wir haben so was wie einen Informationsservice betrieben, mit Neuigkeiten und so weiter. Das lief alles per Post: News, Bilder, Poster. Und Eskil war Mitglied.

„Wir kannten Depeche Mode vorher gar nicht, sie waren sehr poppig.“ John Whybrew


Da wir gerade über eure Vergangenheit sprechen: Ihr habt 1984 die Some Great Reward-Tour von Depeche Mode in UK supportet. Woran erinnert ihr euch noch?
D: Es war okay. Dadurch haben wir ein anderes Publikum erreicht, das uns wahrgenommen hat.
J: Wir waren aber eher befreundet mit dem Manager, Daniel Miller. Wir kannten Depeche Mode vorher gar nicht, sie waren sehr poppig.
D: Zu der Zeit.
J: Wir haben ja einen Industrial-Electro-Hintergrund. Aber Daniel Miller ist auf beiden Seiten unterwegs. Und deswegen hat er uns eingeladen, auf der Tour zu spielen. So sind wir da reingekommen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob unsere Musik so gut gepasst hat, denn da waren viele Kinder, die von ihren Eltern zum Konzert gebracht worden sind – diese Erfahrung haben wir vorher nie gemacht. Unser Publikum besteht normalerweise aus hartgesottenen Industrial-Fans.
D: Unsere Musik ist auch nicht unbedingt für Kinder geeignet. Sie wirkt bedrohlich auf die Kleinen. Einmal hat wohl auch ein Elternteil gesagt, dass unsere Visuals ein Kind verängstigt hätten. Wenn wir live spielen, machen wir das normalerweise in 18+-Locations, das sind richtige Clubs. Während die Venues bei Depeche Mode herkömmliche Konzerthallen waren, wo Kinder hingehen konnten. Das war auch mal eine interessante Erfahrung, oder?
J: Allerdings.

Wie ihr gerade selber gesagt habt, habt ihr einen Industrial-Hintergrund. Ihr wart aber auch Pioniere darin, Industrial mit Techno zu verschmelzen – was dieser Tage, Dekaden später, total angesagt ist, zum Beispiel in Berlin. Seid ihr auf dem Laufenden, was in dieser Szene gerade so abgeht?
D: Ich habe ein paar Sachen in der Vergangenheit gesehen, aber ich weiß nicht wirklich, was da derzeit so los ist. Diese ganze Techno-Szene ist für uns völlig fremd. Aber wir spielen Ende des Monats in Berlin.

Auf dem Schlagstrom Festival am 28. September.
J: Genau. Aber das ist eher industrial, mehr underground. Ich denke, es war ein bisschen unser Problem, dass wir zu früh mit dieser Musik dran waren. Wir haben damit angefangen, bevor es so richtig losging.

portion control live alexander jung 2
Würdet ihr auch im Rückblick sagen, dass das wirklich ein Problem war/ist? Bei Front 242 wird das auch immer wieder ins Feld geführt, aber im Nachgang war es ja genau das, was ihnen ihren Ikonenstatus eingebracht hat – und euch auch. Wie seht ihr das also aus der heutigen Perspektive?
J: Ich würde jetzt nicht sagen, dass es uns wirklich stört, mehr oder weniger bekannt zu sein. Aber wir machen Portion Control nicht, um damit Geld zu verdienen. Die Band sichert nicht unseren Lebensunterhalt, das hat sie nie. So können wir machen, was wir wollen. Wir werden immer auf der experimentelleren, düstereren Seite unterwegs sein und auch ein bisschen Techno- und EBM-Kram mit einbauen.

Euer letztes Studioalbum Pure Form wurde 2012 veröffentlicht. Wie sieht es mal mit einem neuen Album aus?
D: Wir haben schon Material, aber wir müssen alles noch fertigstellen. Ein Teil des Problems ist auch, dass physische Tonträger heutzutage nicht mehr so wichtig sind. Ich weiß, dass die Leute schon noch CDs oder Vinyl kaufen, aber es ist nicht mehr wie früher.
J: Interessanterweise bestand unser Set heute Abend gut zur Hälfe – oder zumindest einem Drittel – aus neuem Material. Es war für uns eine Möglichkeit, das Material live zu testen und für Dean an seinen Vocals zu arbeiten. Die meisten neuen Sachen sind gut angekommen.

Der Großteil des Publikums dürfte gar nicht gemerkt haben, dass es neues Material ist. Es hat einfach weitergefeiert …
J: Ja, definitiv. Klar stellt man fest, ob die Leute einen Track kennen oder nicht, aber das meiste der neuen Sachen hat sich gut eingefügt, auch wenn es ein bisschen ambienter, etwas düsterer und unstrukturierter ist.

„England ist für Musik dieser Tage generell kein gutes Pflaster mehr.“ Dean Piavanni


Was geht gerade in der UK-Szene so ab, in London beispielsweise? Spielt ihr viele Gigs dort?
D: London ist kein gutes Pflaster. Für alles in dieser Richtung ist es nicht gut. Es gibt nicht viel Interesse in London, für niemanden.
J: Es gibt auch keine richtigen Clubs mehr. Es war aber immer schon schwierig dort.
D: Während Bands beispielsweise fünf Gigs in Deutschland spielen können, sind es nur zwei in England, weil es dort einfach nicht das passende Publikum gibt. Damals, als wir anfingen, war das anders. Da stieß diese Musik noch auf mehr Interesse, wegen der ganzen anderen Bands, die auch elektronisch unterwegs waren. Jetzt ist es deutlich weniger.
J: Und es gab ein künstlerisches Umfeld mit entsprechenden Etablissements. Das ist einfach nicht mehr so.
D: In Deutschland und Skandinavien, generell in Europa, gibt es viel mehr solcher Underground-Locations. England ist für Musik dieser Tage generell kein gutes Pflaster mehr.

Und was macht ihr jetzt noch hier auf dem Festival, bevor ihr wieder abhaut?
D: Laibach haben gerade begonnen. Ich werde versuchen, noch ein bisschen von ihnen zu sehen.


Don't miss: Portion Control, Meta Meat, MS Gentur, Gerechtigkeits Liga, Mortaja u.a. live @ Schlagstrom, 28.09.2019 Berlin, Bi Nuu

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Live-Fotos: Alexander Jung





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