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Axel Kleintjes: ONENINE -
Page 12, Cycloon, Cyber Axis oder Megadump – in den Neunzigern und in der ersten Hälfte der Nullerjahre war Axel Kleintjes in vielen Bands und Projekten aktiv und dabei so produktiv wie nur wenig andere Musiker im dunklen Electro-Bereich. Kein Jahr verging ohne mindestens ein Release, das viel Beachtung fand. Ebenso lange, rund 15 Jahre, war der Niederrheiner danach so gut wie von der Bildfläche verschwunden. Nun lässt er wieder von sich hören: Mit seinem Soloprojekt ONENINE veröffentlichte Axel just das Debütalbum HIRATO; und darüber sprachen wir unter anderem mit ihm.


Wie kommt‘s, dass du nun noch mal mit einem komplett neuen Projekt startest?
Weil es – für mich – nicht neu und auch kein Start in diesem Sinne ist. Ich habe musikalisch zwar wenig bis nichts mehr für die Öffentlichkeit gemacht, aber das bedeutet ja nicht, dass ich gar keine Musik gemacht habe. Zwischen circa 2006 und 2014 hatten sich bei mir um die 300 Fragmente angesammelt. Im Grunde habe ich nach einer ersten Idee einen Song kaum noch weiterverfolgt. Die Idee war raus, es gab für mich etwas zu hören, meist nur 20 bis 40 Sekunden, und dann war es auch gut damit.
Im Laufe der Zeit sind immer mal wieder Bruchteile zu anderen Musikern gegangen und es gab auch einige Ansätze, mehr daraus zu machen. Allerdings waren meine Aufmerksamkeitsspanne, Motivation und Zeitfenster einfach zu klein, als dass tatsächlich etwas Brauchbares dabei herumgekommen wäre. Was bedeutet, dass ONENINE im Grunde zehn Jahre lang eine Art Reste-und-Lager-Existenz fristete. Mehr nicht. Die eigentliche Zündung kam durch meine Frau, die einige dieser längeren Bruchteile gut fand, was mich verblüfft hat. Also habe ich HIRATO ausformuliert, wenn man das so sagen möchte. Einfach so, weil ich das wollte.

ONENINE ist ein Soloprojekt. Wird es dabei bleiben oder könntest du dir vorstellen, andere Leute mit ins Boot zu holen? Die Erfahrung, Teil einer Band zu sein, hattest du ja nicht nur ein Mal gemacht – mit allem, was daran vielleicht auch nicht so schön ist ...
Im Kern ist ONENINE ein Egotrip. Ich mache nur Dinge, die ich machen will. Ich habe – weil ja doch arg viel Material zur Verfügung steht – schon am Nachfolger gearbeitet und hier gibt es auch Teile, die Dritte beigesteuert haben. Aber eine Band wird ONENINE nicht werden. Zudem gibt es ja auch noch Held Der Arbeit für mich, was eine richtige Band im klassischen Sinn ist. Von daher habe ich so oder so beides: Band und Soloprojekt. Das ist schon okay so.

„Page 12, Cyloon et cetera sind abgeschlossene Teile meiner Vergangenheit.“


Hast du in den letzten Jahren mal daran gedacht, wie es wäre, eins der alten Projekte – allen voran Page 12 – zu reaktivieren, zumindest live?
Ich denke, ich bin mit Page 12, Cycloon, Cyber Axis et cetera durch. Erstaunlicherweise bekomme ich in unregelmäßigen Abständen immer wieder Anfragen speziell zu Page 12. Ich möchte das aber nicht mehr wirklich machen. Das ist ein abgeschlossener Teil meiner Vergangenheit. Ich glaube, der einzig mögliche Kompromiss wäre, im Rahmen einer ONENINE-Show einen Page-12- oder Cycloon-Song zu spielen. Allerdings gibt es derzeit noch nicht mal einen Plan oder eine Idee, ob und wie ich ONENINE live präsentieren würde, könnte oder überhaupt möchte. Somit bleibt das eh alles theoretisch. 

ONENINE – 1, 9 oder 19: Was steckt hinter dieser Zahl oder diesem Datum?
Das ist entsetzlich banal. Ich habe irgendwann mal diese verteilten Songs, beziehungsweise deren Fragmente, sprich Dateien von diversen Festplatten, in einem Ordner zusammengeführt, besser gesagt: zusammenführen müssen, um dem totalen Chaos vorzubeugen. Dieser Ordner brauchte einen Namen. Und da mein Sohn am 19.11.1999 geboren wurde, es in diesem Datum nur Einsen und Neunen gibt, hieß dieser Ordner OneNine. Das ist alles.

onenine hirato album cover artwork
Stilistisch bist du mit ONENINE nicht so einfach zu greifen. Ganz grob gesprochen bewegst du dich zwischen klassischem und vergleichsweise modernem Electro und Noise. Sind das Genres, für die dein Herz nach wie vor schlägt?
Ganz ehrlich, keine Ahnung. Ich höre Musik ziemlich querbeet und ja, ich mag nach wie vor Noisiges und Electro. Aber ich verfolge Aktuelles, innerhalb und außerhalb von Szenen, seit etwa zehn oder zwölf Jahren nur sehr, sehr minimal bis gar nicht. Ich fand und finde beispielsweise Scott Walkers Bish Bosch spannender als eine Vielzahl von offensichtlich deutlich elektronisch geprägten Veröffentlichungen, die man wahrscheinlich der Industrial-Szene zuordnen würde. Ich habe nur das gemacht, was mir fürs erste Release gefallen hat. HIRATO ist die erste von drei Veröffentlichungen, die ich in den kommenden drei Jahren fertigstellen möchte. Und diese sollte in Teilen ein Blick über die Schulter, nach hinten, sein. Eine persönliche Sicht auf das, was ich bisher gemacht habe. Mir sind Genres und Zuordnungen immer schwergefallen, obwohl ich den Wunsch nach der Erfassbarkeit durchaus verstehe. Aber es ist, wie es ist; ich mache das, was mir in dem Moment Spaß macht, was meinem eigenen temporären Konzept entspricht und mir richtig erscheint.

Du verzichtest auf Vocals. Warum?
Es gab zu HIRATO nichts, was mir wichtig oder notwendig erschien, in einem Songtext dargereicht zu werden.

Eigentlich sollte bereits 2017 eine Debüt-EP erscheinen, woran scheiterte das Vorhaben letztlich?
Es ist nicht wirklich gescheitert. Aber wenn man etwas publizieren möchte, dann muss man Entscheidungen treffen und Dinge fertigstellen. 2017 und 2018 war ich einfach beruflich zu sehr eingespannt, und ich war mir nicht sicher, welche Form der Publikation ich wählen sollte. Im Grunde hatte ich auch keine Lust und auch keinen Druck, eine Entscheidung zu treffen. Zudem: Die HIRATO-Version 2017 war um zwei Songs ärmer, die eigentlich noch dazugehörten, ich aber irgendwie unter den Tisch hatte fallen lassen. Das erschien mir falsch, weil so das Album nicht komplett gewesen wäre. Diese zwei habe ich dann erst 2018 fertiggestellt und noch mal zu Krischan [Wesenberg, Studio-Koryphäe] zum Mastern gegeben. Also war HIRATO musikalisch eigentlich erst Ende 2018 fertig. Es gab noch eine grafische Idee, die ich unbedingt umgesetzt haben wollte. Dazu war der Kontakt zu dem Macro-Fotografen John-Oliver Dum notwendig, dessen Okay ich erst Anfang 2019 bekommen habe. 

„Es gab Angebote von Labels, doch ich wollte keine Entscheidungen treffen.“


Du verschenkst das Album praktisch bei Bandcamp. Was führte zu dieser Entscheidung?
Mir war bis vor einigen Monaten nicht wirklich klar, wie und wo ich überhaupt etwas veröffentlichen möchte. Mitte 2017 hatte ich mal spontan Labels angesprochen und zu meinem Erstaunen sehr zügig Angebote bekommen, die okay gewesen wären. Allerdings und wie gesagt: Ich hatte weder Druck noch Lust, eine Entscheidung zu treffen. Ende 2018 habe ich mir dann die Angebote tatsächlich mal im Detail angeschaut und das Bauchgefühl von ‚Du gehst eine Verpflichtung ein, die du eigentlich nicht willst‘ hat mir nicht gefallen. Zudem gibt‘s kein wirklich wirtschaftliches Interesse meinerseits bei ONENINE. Ich bin Grafiker, besitze mein eignes kleines Tonstudio und so muss sehr wenig hinzugekauft werden. Warum also sollte um der Publikation Willen oder im Hinblick auf Reichweite und Vertrieb ein Weg der Kompromisse eingeschlagen werden, den ich gar nicht gehen will? Zudem ist es für mich völlig okay, wenn es bei dem Release nicht gleich ‚Boom!‘ macht. Ein Verfallsdatum gibt es auch nicht und wenn jemand die Pay-what-you-want-Variante wählt, ist das auch in Ordnung. Ich muss von dieser Sache nicht leben, also war die Entscheidung, HIRATO so zu veröffentlichen, eigentlich gar nicht so schwer. Vielleicht freut sich ja sogar der ein oder andere.



www.onenine.de
www.facebook.com/Onenine
onenine.bandcamp.com

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