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Mona Mur -
Süß: Mon Amour (Meine Liebe), brachial: Mur (Mauer) – dieses Wortspiel trifft, was die Berliner Underground-Legende mit bürgerlichem Namen Sabine Bredy seit jeher transportieren möchte. Dabei war Mona Mur ursprünglich der Name einer Formation, die sie gemeinsam mit F.M. Einheit, Mark Chung, Alex von Borsig (Alexander Hacke) und Gode B. bildete. In dieser Besetzung entstand 1982 die Maxi/EP Jeszcze Polska. Wenig später formierte sich eine neue Band dieses Namens, der weiterhin F.M. Einheit und Hacke angehörten, deren Aktivitäten jedoch nicht über einige spektakuläre Performances hinausreichten. Spätestens seit Mitte der 80er-Jahre steht der Name Mona Mur allein für die Solokünstlerin. Was sich indes nie geändert hat, ist, dass sich Mona Mur gern und regelmäßig mit einer Schar illustrer Gastmusiker umgibt. Am Album Delinquent, das nun erscheint, wirkten unter anderem Bettina Köster (Malaria!), Anja Huwe (Xmal Deutschland), Annika Line Trost (Cobra Killer), Kristof Hahn (Swans) und, wie seit vielen Jahren so oft, En Esch (Ex-KMFDM) mit.


Delinquent wurde gemeinsam mit Ralf Goldkind produziert. Wie lief die Zusammenarbeit, wie bekamen die Songs Gestalt und auf welche Weise fanden die Beiträge der vielen Gastmusiker ihren Weg in die Stücke?
Es war komplex und zeitaufwändig. Wir haben beide eigene Tonstudios mit kompatiblen Audio-Systemen. Ich hatte einen Berg von elektronischen Musikideen vorproduziert, lauter schöne Tracks. Aber keinen einzigen habe ich für Delinquent verwendet. Als Goldkind mir seine ersten Twang-Gitarren und Minimal Beats gab, war klar, dass dies der frische Input von außen war, den ich brauchte, um noch einmal so einen großen Wurf mit Mona Mur zu wagen. Ich habe dann sofort auf die Tracks draufgesungen, allein, in meinem Studio Katana. Von diesen Pilot-Vocals aus haben wir die Tracks aufgebaut. Wir haben jeder für sich gearbeitet, über File Transfers, und uns, wenn nötig, bei Goldkind in seinem Studio im Flughafen Tempelhof getroffen, wenn Dinge gemeinsam entstehen mussten, on the fly. Diese Arbeitsweise halte ich für sehr fruchtbar. Das ging über zweieinhalb Jahre, bis zum Mixing und Mastering. Wir waren sehr gründlich und akribisch. Alle GastmusikerInnen sind FreundInnen, KollegInnen, die vorbeischauten und zwingende Ideen und Beiträge lieferten. Wir haben es konsequent durchgezogen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Goldkind spricht vom Album, das er schon immer machen wollte. Geht es dir in dieser Hinsicht ebenso?
Wir sind alte Hamburger/Berliner Kumpels. Ich hatte Goldkind nach seinen Flucht nach vorn-Zeiten aus den Augen verloren. In den 90ern sah man ihn in TV-Talkshows zur Prime Time mit Lucy van Org . Dann, in einer durch Digitalisierung und Social Media komplett verwandelten Welt, trafen wir uns wieder. Ich hatte keine Ahnung, dass Goldkind so ein Mona-Fan war. Ich sah nur, dass er alles geliket hat – und habe mich unterstanden, ihn zu kontaktieren. Der Rest ist Geschichte.

„Ich passe mich nicht an. Moden und Trends sind mir egal.“


Ein Delinquent ist jemand, der straffällig geworden ist. Das komplette Album trägt den Namen des Songs. Warum diese Wahl?
Weil wir alle delinquent sind. An diesem Planeten, an den Tieren, den Mitmenschen, der Natur, vor allem an unserer Intelligenz. Überdies bin ich als Künstlerin delinquent, weil ich die Dinge beim Namen nenne. Ich passe mich nicht an. Moden und Trends sind mir egal. Ich weiß, dass ich so handeln muss als Mona Mur. Es war mir immer absolut schleierhaft, warum man versuchen sollte, so zu klingen wie alle anderen. Ich vertrete einen radikal artistischen Gestus, der nichts erklärt.

Wie wichtig sind die Texte des Albums? Sie wirken sehr stark und weiblich, ohne übertrieben feminin zu sein, teilweise sind sie humorvoll. Gibt es Dinge, die Einflluss auf die musikalische Gestalt der Songs nahmen?
Die Texte sind spontan entstanden, écriture automatique. Ich habe große Teile der Vocals sofort aufgenommen, ohne sie vorher zu notieren. Goldkinds Grundtracks waren unmittelbar inspirierend. Aus den teils konkreten, teils rein phonetischen Spontanentäußerungen fische ich nach Worten, nach Sinn und Klang. Das funktioniert nur mit viel Erfahrung, in meinem eigenen Studio-Setting. Ja, die Texte sind von grimmiger Lustigkeit. Das Album ist sicher das leichtfüßigste von Mona Mur bis dato.
Aktuelle Einflüsse spielten weniger eine Rolle als persönliche Erfahrungen, Inspirationen, Vorlieben, Ansichten, Obsessionen. Das Album ist nicht stilistisch breit, sondern rein und konzise, aus ganz klar definierten Elementen: den Cowboy- und Twang-Gitarren, den Minimal-Elektronik-Beats, den feinen Keyboard-Flächen, alles veredelt mit live eingespielten Becken, Snares und virtuosen Akustikgitarren – ein eigener Electronic-Rock’n’Roll-Sound, kein Stile-Bauchladen.


Gibt es eine Phase in Deiner bisherigen Karriere, an die du dich besonders gern erinnerst? Welche und warum? Was sind das genau für Momente, die dir gut in Erinnerung geblieben sind?
Die Zeit der zweiten Bandformation war von allerhöchster Intensität. Es war grandios, das Pandora’s Box-Festival in Rotterdam zu spielen, anno 1985, mit großartigen Kollegen wie Siouxsie And The Banshees, Einstürzende Neubauten und Nick Cave in einem Line-Up. In Bremen spielten wir im selben Jahr ein Doppelkonzert mit Sonic Youth. Da ging die Post ab. Ein paar Jahre später hatte ich die Gelegenheit im Warschau der Wendezeit ein Album mit Orchester einzuspielen, mit Grzegorz Ciechowski und Dieter Meier von Yello als Produzenten. Polen ist bis heute ein sehr wichtiges Land für mich. Die USA- und Kanada-Touren mit En Eschs Slick Idiot 2010 bis 2015 waren ebenfalls priceless. Die erste US-Tour mit meiner Beteiligung ging über 15.000 Meilen mit 47 Konzerten in zwei Monaten. Das härtet ab, was Livepraxis betrifft. Wir fuhren viermal quer durch Kanada, einmal davon im November. Ich würde das jederzeit wieder machen. Und ich liebe immer, in meinem Studio zu sein, ich lebe quasi dort, kann musikalisch tätig sein, wann und wie immer es mir beliebt. Ich fühle mich privilegiert.


Dein derzeitiger Geheimtipp für Berlin-Reisende?
Essen: Restaurant Tianfuzius am Viktoria-Luise-Platz – göttlich und vegan.
Klamotten: Diamond Freddie Vintage Clothing in der Pflügerstraße.
Haircut: Nur bei Ballyhoo Berlin in der Lausitzer Straße.

In welches Jahr würdest du mit einer Zeitmaschine reisen?
1000 Jahre in die Zukunft! Aus brennender Neugier.

Wer steht ganz oben auf deiner Wunschliste für eine musikalische Zusammenarbeit?
Mein Projekt Henker & Jäger ist eine Zusammenarbeit mit F.M. Einheit, En Esch und der Barock-Operndiva Simone Kermes. Dieses Zusammentreffen kann ich kaum erwarten. Wirklich crazy wäre ein Duett mit Till Lindemann. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.

Welches Konzert hast du zuletzt besucht?
Kitty Solaris & Toni Kater.

Dein letzter Schallplattenkauf?
Simone Kermes Mio Caro Händel



mona mur delinquent album cover artwork


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