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Moogulator -
Mic Irmer ist ein Performer. Und ein Spezialist. Auf, viel lieber aber noch vor der Bühne, inmitten seines Publikums, steht er im Kabelsalat, zwischen blinkenden Kisten, hinter Tasten und Knöpfen, in Hüllkurven. Seine Hände sind überall gleichzeitig, er dreht, schiebt, justiert, steckt um, drückt. Strom fließt, Spannung steigt und fällt, die Luft schwingt. Flächen wabern, Sequenzen blubbern, Bässe furzen. Bei ihm ist alles live und immer anders. Ein-Mann-Jamming ohne Vorbild, doch inspiriert von IDM, EBM, Glitch und Pop – elektronisch, klassisch, analog. Mic Irmer aus dem Rheinland ist Autodidakt, Nerd, Betreiber des SynMags und des Sequencer.de-Forums. Er ist der Moogulator. Am Rande des 15 years of audiophob-Festivals Ende Januar in Duisburg trafen wir ihn auf ein Bier.

moogulator und catrin interview 2019Kannst du ein solches Festival genießen, ohne ständig zu analysieren, was technisch auf der Bühne gerade vor sich geht?
Oh ja, absolut! Man fragt sich natürlich als Musiker, ob man dieses oder jenes gemacht und richtig eingestellt hat, aber das läuft wie Atmen, das vergisst man dann einfach. Und es ist auch nicht wichtig, womit die Künstler das machen. Das ist eigentlich das Unwichtigste. Die Leute, die vorne stehen, die Nerds, die gucken sich das vielleicht an, aber mich interessiert das nicht, wenn ich auf einem Konzert bin. Ich genieße dann einfach das Konzert, das ist auch das Schönste. Genuss ist wichtig, das ist Lebensqualität.

Zu welchen Veranstaltungen gehst du privat?
Es gibt einerseits die Nerd-Veranstaltungen, die etwas mit Synthesizern zu tun haben. Aber da ist noch vieles mehr, was mich interessiert. Von Pop bis Super-Experimentelles ist alles dabei. Ich habe auch schon Free-Jazz mit Leuten gemacht, und ich war der einzige Elektroniker. Wenn ich denke, dass eine Veranstaltung interessant sein könnte, dann gehe ich hin. Ich mag auch Indie-Pop. Diese Bands haben keine richtige Szene, müssen sich erst mal überall durchspielen. Und wenn sie dann einen Auftritt, beispielsweise im Kölner Gebäude 9, haben, dann ist bis dahin viel passiert. Und ich hoffe, dass ich diese Acts vorher entdecke. Ich gehe zu ihren Gigs, weil sie mich einfach interessieren. Ich mag Musik, aber auch Kunst. So was schaue ich mir auch an. Da springen wieder ganz andere Leute rum.

„Ich habe früher im Zwischenfall gewohnt.“


Bist du ein Szenemensch?
Ich habe früher im Zwischenfall gewohnt, zumindest gefühlt. Freitags bis sonntags. Am Anfang der Veranstaltungen kam immer die beste Musik. Da hatte man auch ganz viel Platz zum Tanzen, das war super. Das ist auch irgendwie nerdig. Weil man halt Bock auf Musik hat. Es gibt einerseits unfassbare Scheiße, andererseits Supergeiles gerade von Leuten, die vorher nie irgendwas gemacht haben, und die nicht wissen, was sie da treiben. Weil es einfach unvoreingenommen ist. Ich stehe auch auf absolut akademische Musik, beispielsweise von Stockhausen. Generell bin ich jemand, der gerne live spielt, deswegen gucke ich mir auch gerne andere Sachen an.

Klingt, als wärst du ständig auf Achse ...
Es gibt Zeiten, in denen ich gar nicht weggehe oder gar keine Musik höre. Man braucht auch so eine Art Nullphase. Ich könnte nicht vorhersagen, ob ich jetzt beispielsweise in einer Woche verschwinde, nichts mache, mich ausruhe. Das gilt für Kunst, die sozialen Netzwerke und Musik. Musik mache ich nicht um ihrer selbst willen, sondern weil ich Bock habe, weil mich etwas total umhaut, Liebe zum Beispiel. Ich hoffe nur, es stellt mich niemand irgendwann mal vor die Wahl.

Wofür würdest du dich entscheiden?
Für die Liebe. Ich würde mir das Musikmachen allerdings nicht verbieten lassen. Aber das macht ja auch niemand, wenn es wirklich Liebe ist. Man ist dann synchron.

„Liebe Eltern, habt Instrumente!“


Woher kommt eigentlich deine Passion für Musik?
In meiner Familie gab es schon immer Instrumente. Ich kann nur sagen: Liebe Eltern, habt Instrumente! Warum ich mache, was ich mache, in musikalischer Hinsicht, kann ich nicht erklären, es gibt da keinen Code. Aber ich weiß, dass ich das damals schon toll fand. Ich habe auch irgendwann mal zu Freunden gesagt, dass es bald Musik geben wird, die wahrscheinlich Techno heißen wird, aber ich hatte eher gedacht, das würde dann so was wie Synthie-Pop oder EBM sein. Härte, mehrere Sounds und irgendwie geiler, auch musikalischer. Es ist nicht ganz so gekommen. Auch, dass es mal eine größere Bewegung wird, wusste ich natürlich nicht.

Was machst du zum Runterkommen, wenn du nach Hause kommst?
Gute Frage! Kommt darauf an, wann ich wirklich zu Hause bin. Ich gehe nicht sofort ins Bett. Muss erst mal runterfahren. Aber ich höre oder mache dann auch keine Musik, auch, wenn man das vielleicht denken würde. Ich gucke wahrscheinlich noch mal im Internet, was so geht. Mache einfach irgendwas.

Moogulator live:
10.05. Berlin, Pop (Plattenladenkonzert)
11.05. Berlin, Maze (Superboost)

moogulator gear by melanie sonntag

www.moogulator.com
soundcloud.com/moogulator
youtube.com/user/Moogulator



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